Freitag, 4. April 2014

Finde ich nicht.

Überschrift im Hamburg-Teil der ZEIT vom 4. April.

Zufälligerweise lief mir in den vergangenen Wochen gleich mehrmals die Meinung über den Weg, Hamburg sei ja so versnobt. Das erste Mal fiel diese Aussage im Bekanntenkreis. Ich erinnere mich nur nicht mehr wer es sagte, sonst würde die Person selbstverständlich mit vollem Namen und Wohnadresse an dieser Stelle diffamiert werden.

Das zweite Mal traf mich diese Aussage von links, als ich in der Absinthbar an der Sternschanze (empfehlenswert übrigens!) saß. Zwei internationale Jungs vom Typus Erasmus-Student, die sich lange nicht gesehen hatten und sich lautstark mit den Worten "Hey what's up Motherfucker" begrüßten, erzählten sich neben mir auf englisch ihr Leben. Der eine wohnt anscheinend seit längerem in Berlin und findet diese Stadt so viel cooler und bodenständiger als das upper-class Hamburg.

Aller guten Dinge sind drei: Heute lag der allerallererste Hamburg-Lokalteil der ZEIT als Leseprobe vor der Tür. Leitthema: die große Zufriedenheit Hamburgs mit sich selbst und daher rührender Stillstand. Auf Seite vier zieht Ole von Beust dann den Vergleich zur Kurstadt im schönen Baden. Meine Heimat übrigens, denn auch ich bin ein Quiddje, ein Zugezogener.

Ich hatte eine typische "Landjugend mit Musik" (wie schon Heinz Strunk sein Heranwachsen in "Fleisch ist mein Gemüse" beschrieb). Aufgewachsen auf einem Dorf zwischen Karlsruhe und Baden-Baden kam mir zwar schon Frankfurt am Main - wo ich Zivildienst leistete - wie eine echte Weltmetropole vor, aber Hamburg toppte alles. Hier lebe ich seit 2004 und habe in der Zwischenzeit vor allem Berlin und London so viele Male besucht, dass ich drei Dinge feststellen kann:

1. Im Vergleich zu Berlin ist Hamburg wirklich gemütlich und überschaubar, und im Vergleich zu London ist es an actual Dörp. Geschenkt, darum geht's hier nicht.

2. Hamburg ist nicht versnobter als andere Großstädte. Und wenn, dann nicht wesentlich. Denn welche Stadt hat nicht ihre Geldadel-Ghettos à la Pöseldorf, Blankenese und Co.? Es wird ja keiner gezwungen, sein Nachmittags-Käffchen am Mühlenkamp einzunehmen und den Sonntagsspaziergang an der Außenalster abzuhalten.

3. Hamburg ist erst recht nicht so versnobt wie Baden-Baden. Mensch Ole! Baden-Baden ist so dermaßen versnobt, dass.. dass... zum Beispiel dass sich Tebartz van Elst dort ohne weiteres als Sozialwohnraumbeauftragter verwirklichen könnte.

Mag ja sein, das was dran ist, an Hamburgs hochnäsigem Image, wenn das verschiedenste Leute auf die gleiche Weise wahrnehmen. Aber eins ist sicher: Gäbe es nicht genügend snobfreien Raum, wäre ich längst nicht mehr hier. Doch im Gegenteil, ich werde noch sehr lange bleiben. Vielleicht sogar für immer. 'Cause Hamburg got swagger, motherfucker! 'Tschuldigung.



PS: Der Vollständigkeit halber: von Beust hat den Vergleich zwischen BAD und HH mehr hinsichtlich der Behäbigkeit gezogen, nicht wegen Snobismus.)

PPS: Ich lese die ZEIT ja wirklich gern, doch ehrlich gesagt hat diese Lokalausgabe bei mir den Anschein erweckt, als sei es ein reines PR-Vehikel für Herrn Beust. Aber das ist ein anderes Thema.

Donnerstag, 12. Dezember 2013

Toleranz toleriert keinen Widerspruch

Bild: Screenshot von  gq-magazin.de  / © Felix Krüger
Aufmerksamkeit garantiert: Prominente, heterosexuelle Männer lassen sich knutschend fotografieren. "Um gegen Intoleranz anzukämpfen, hat GQ eine Aktion gestartet, in der Männer [...] etwas ganz Banales tun, sie küssen sich.", erklärt GQ die Aktion "Mundpropaganda". So weit, so gut. Auch ich bin FÜR die uneingeschränkte Gleichberechtigung homosexueller Mitmenschen. Ehe, Adoption, Finanzen, knutschen in der Öffentlichkeit – gleiches Recht für alle, denn nur die Liebe zählt. Und das meine ich nicht im Geringsten sarkastisch. Ich finde knutschende Männer zwar nicht ästethisch, aber Toleranz bedeutet ja schließlich, andere einfach machen zu lassen, auch wenn man selbst nicht mitmachen möchte. Mal ganz banal ausgedrückt.

Das scheinen einige Menschen anders zu sehen. Jene, die das Ding mit der Toleranz ins Extreme treiben und fordern, dass jeder von der Sache begeistert sein muss, die er toleriert – oder das Maul hält. Und genau um diese Menschen geht es hier, denn die bringen mich wirklich auf die Palme.

Die W&V schreibt in ihrem Artikel zu "Mundpropaganda", dass der GQ-Chefredakteur im Zuge der Promi-Akquise auch Absagen einstecken musste und dass ihm das gezeigt habe "dass selbst in Deutschland noch ein weiter Weg zu gehen ist." Was für ein Weg und wohin? Bis jeder Mann mal mit einem Mann geknutscht hat?
Als erstes würde mich interessieren, womit diese Absagen begründet wurden: Mit der Ablehnung von Gleichstellung Homosexueller? Oder einfach nur mit der rein physischen Abneigung eines Mannes, einen anderen zu küssen? Dabei kann man es doch jemandem nicht ernsthaft vorwerfen, wenn er homoerotische Begegnungen scheut. Ich zum Beispiel auch. Während ich gerne bereit bin, mich mit Homosexuellen auf anderen Wegen zu solidarisieren, so würden mich keine zehn Pferde dazu bewegen können, mit einem anderen Mann zu knutschen. Und zwar deshalb, weil ich körperlichen Kontakt mit anderen Männern abstoßend finde, sobald es intimer wird als Umarmen, Händeschütteln oder ähnliches. Und deswegen finde ich es auch nicht hübsch.

Aber so differenziert können viele Menschen scheinbar nicht denken. Das zeigen die Reaktionen auf negative Äußerungen im Kommentar-Thread unter diesem facebook-Posting. Zum Beispiel findet ein User findet knutschende Männer "eklig". Hart aber ehrlich. Und es besagt mit keinem Wort dass er Schwule nicht toleriert. Ein anderer schreibt, er fände die Fotos ganz gut gemacht, aber die Kampagne auch irgendwie unauthentisch, weil hier Heterosexuelle so tun, als wären sie schwul. Das ist auf jeden Fall diskutabel. Allerdings nicht für jeden. Mit unglaublicher Arroganz werden negative Äußerungen als "hinterm Mond", "homophob", "ohne Hirn" abgekanzelt. Diese Toleranzbestien scheinen tatsächlich zu glauben, nur sie allein würden die Welt verstehen.

Dabei sind die Toleranzapostel selbst nicht so tolerant, wie sie glauben. Sonst könnten sie es nämlich einfach akzeptieren, dass unterschiedliche Menschen auch unterschiedliche persönliche Grenzen und unterschiedliche ästethische Geschmäcker haben. Das auszublenden ist auch eine Form von Scheuklappendenken und damit Intoleranz.

Vielleicht wäre es mal an der Zeit für eine Kampagne gegen Schwarz-Weiß-Denke.



+++ UPDATE 13.12. um 16:00 +++

Es hat sich innerhalb der letzten 24 h auf facebook eine interessante Diskussion hierzu entfaltet, die ich auszugsweise hier hinzufüge.










Sonntag, 20. Oktober 2013

Brückentag

Am 3. Oktober fiel der Startschuss für die zweite Startergruppe beim Köhlbrandbrückenlauf 2013. Eigentlich keine Meldung wert, doch in diesem Fall hochinteressant, denn: Meinerselbst war dabei. Und zwar nicht irgendwie in Trainingshose am Bierstand, sondern als echter Mitläufer. Meine Zeit war super, denn ich habe viele Hundert hinter mir gelassen, und nur wenige Tausend liefen vor mir durchs Ziel. Aber darum ging es nicht. Es ging um Spaß bei perfektem Sonnenschein und um das Privileg, tolle Schnappschüsse aus 53 Metern überm Hamburger Hafen machen zu können – dort, wo sonst nur Fahrzeuge hin dürfen.


It's a long way ...

...to the top ...

... if you wanna rock'n'roll.

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Baroness @ Markthalle, 10.10.2013


Eine Hammer-Band! Zeitlos geile Songs, echter Rock'N'Roll Schweiß, Hall-of-Fame-Posen, keine Allüren, kein Scheiß. Baroness halt. Und dann auch noch in der Markthalle. Perfekt. 

Frontman/Lead-Gitarrist John Baizley & Drummer Sebastian Thomson rocken out.


links: Gitarrist/Background-Sänger Peter Adams, rechts Bassist/Keyborder Nick Jost.
Mitte: J. B. juckt der Rücken

Gniedeln zu zweit im Lampenschein

Dienstag, 15. Oktober 2013

Unterwegs in Hamburg – Spaziergang in Rothenburgsort

Sonntagsspaziergänge sind nix für Anfänger. Wenn sowas gute Laune machen soll, ist einiges zu beachten: Erstens muss man sich gut ans Wetter anpassen. Schwitzen, frieren oder nass werden sorgt für Scheißlaune. Zweitens braucht man einen Plan. Die üblichen Völkerwanderungen im Stadtpark und an der gesamten Elbcoast zwischen Speicherstadt und Blankenese will man sich schließlich ersparen, sonst Laune wie oben. Aber dafür gibts Google-Maps! Hamburg hat jede Menge Grün, viele schöne Stadtviertel und mehr Spazierwege am Wasser als Atlantis – man muss sich die abgelegenen Routen nur suchen. Vergangenen Sonntag fielen die Würfel für Rothenburgsort. Bis zum Ausschläger Elbdeich sind es nur 15 Minuten zu fahren, dort kann man entspannt parken und läuft direkt am Wasser los.

Vorbei an ...
... Stonehenge (dieser Grünton ist übrigens 100% jungfräulich) ...

... 3 1/2 Men beim Frühsport ...

... Vögeln, die darauf warteten, dass das Spiel Deutschland–Irland beginnt
(Fernseher hier nicht im Bild) ...

... und dem Kraftwerk Tiefstack, wo offensichtlich gerade ein neuer Papst gewählt wurde.

Während einer Runde um die Schrebergartenanlage Tiefstack Süd e.V. konnten wir dann von der sicheren Seite des Jägerzauns aus auch ein paar Zombies in freier Wildbahn bestaunen. Zum wiederholten Male keimte die Frage auf: Wieso haben keine normalen Leute Schrebergärten? Wie üblich verdünnisierte sich die Frage schnell wieder so unbeantwortet wie sie gekommen war. (Ist vermutlich eh nur ein Vorurteil, das zu nicht mehr als 95% zutrifft.)

Dass wir für den Rückweg die selbe Strecke nehmen mussten, war nicht schlimm, denn schön genug ist sie ja. Und vor allem: sonntagsspaziergängerfrei (außer uns). Man hätte den Spaziergang noch ewig ausdehnen können, den ganzen Moorfleeter Deich hinunter und vermutlich den Kaltehofe Hauptdeich wieder hoch, was dann wohl einen halben Tag gedauert hätte. Diese Routenabschnitte nehmen wir dann beim nächsten Mal unter die Sohlen. Die (sehr) reichliche Stunde war genug für vorm Frühstück.


Freitag, 20. September 2013

Wochenrückblick 14/09–20/09 


Euphorische Erektionen bei den bräsigen Herren der CSU? Pfuideibel! Das will doch keiner sehen. Nichtmal an einem Montag.



Das überlassen wir dann doch lieber einer handvoll Psychos aus Oslo (hier noch mit altem Sänger Hank von Helvete): 




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Am Donnerstag war mal wieder Konzert angesagt: Club gehen, Bier kaufen, Bühne stehn, Musi hören, Band abfeiern. Und wie HELLSONGS es verdient hatten abgefeiert zu werden. Alleine den Mut muss man erstmal haben, Metal- und Rockklassiker von Pantera über Iron Maiden bis Skid Row als Akustik-Balladen zu covern. Klingt erstmal nach Wahnwitz, Realitätsverlust gar, aber die drei Göteborger kriegen es hin. Und zwar bravourös. Ich dachte ja bis jetzt, das kommt nur gut, wenn man die Original-Songs kennt. Aber die meisten im Publikum dürften mit Metal eher wenig am Hut gehabt haben und waren trotzdem begeistert.

Supersympatisch auch die Ansagen, bzw. Monologe des Gitarristen in seinem unschlagbar charmanten Deutsch-Englisch-mit-schwedischem Akzent-Kauderwelsch. Gestern waren sie im Übel & Gefährlich, dieses Video hier zeigt sie im Grünspan und vermittelt einen ziemlich guten Eindruclk davon, wie geil der gestrige Abend war:



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Geht doch. Nachdem ich mich vorletzte Woche über Bestseller-Buchpreise aufgeregt hatte, bin ich am heutigen Freitag wieder etwas versöhnt. Nach ca. zehn Minuten stöbern im Buchladen fiel meine Wahl auf die 524 Seiten starken Sterntagebücher von Stanislav Lem – für einen glatten Zehner. 

Kann man nichts sagen. Aber da frage ich mich doch: Was haben aktuelle Bestseller-Autoren wie ein Kaminer oder ein Brown, was ein Lem nicht hat? Hm? Und wenn man den Aufschlag nur für den Namen bezahlt, wieso ist das dann bei Musik nicht so? Man bezhalt ja für aktuell angesagte Bands nicht mehr, als für Klassiker. Warum dann bei Büchern? Wieso, weshalb, warum, wer viel fragt ist dumm. Alte Binsenweisheit. Deshalb höre ich jetz auf zu fragen, und wünsche einfach ein schönes Wochenende.

Freitag, 13. September 2013

Wochenrückblick am Freitag, den 13.

Samstag morgens hatte ich dann doch etwas Muskelkater vom Helfen. Beim alljährlichen Rockspektakel auf dem Rathaumarkt gilt das Motto "Das Bier bezahlt die Bands" und ich habe Freitag Abend fleißig geholfen. Ich denke man könnte sagen, unsere plietsche Stehtischtruppe hat auch gleich das Rockepktakel 2014 vorfinanziert. Das müsste gar nicht sein, wenn mal weniger Leute ihre Getränke mitbringen würden, weil sie unter "freier Eintritt" gleich "gratis" verstehen. Aber ich helfe gern und jedes Jahr entdecke ich neue großartige Bands dort, und freue mich, dass ein paar Leute sowas einfach aus Idealismus veranstalten – ohne Fördergelder oder sonstige Unterstützung.

Meine hammer Neuentdeckung dieses Jahr: die Ska-Reggae-Rocker Jaya The Cat


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Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, ob ich schonmal sonntags morgens um acht auf der Reeperbahn war... wenn ja, dürfte die Erinnerungslücke nicht verwundern. Denn dann bin ich garantiert nicht um sieben aufgestanden, um hin zu fahren, so wie letzten Sonntag. Da war Flohmarkt auf dem Spielbudenplatz und Frauchen und ich hatten auch einen Stand im Gewusel. Das begann schonmal ganz erniedrigend mit dem Aufbauen des Malertischs. Zum Glück kam so eine alte Kiezschnauze vorbei, der uns rettete: "Die Rohre da zusamm' und dann das da durch. Noch nie Flohmarkt gemacht odä wäs?" Nachdem wir mit Schämen fertig waren, wurde es besser. Dann kamen jede Menge Leute: nette, seltsame, lustige, nervige, besoffene. Und irgendwann hatten sie alle eines gemeinsam: sie wurden nass. So wie wir. War aber egal, denn selten hat man so viel Spaß für den man auch noch anständig bezahlt wird. Das machen wir wieder.


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Sich montags vor Lachen zu bepissen schafft ein gutes Restwochen-Karma. Dafür empfehle ich den Channel von YouTube-User "Dudelsack" a.k.a "Davis". Der Typ hat ordentlich Slapstick -Talent und auch kräftig einen an der Klatsche.


Übrigens: Auch der Rest seiner Filme lohnt sich!


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Pub-Abend ist zwar immer donnerstags, aber diesen brandneuen, wunderbaren und genialen GUINNESS-Werbespot habe ich am Dienstag entdeckt. Tipp: Zweimal anschauen. Es wirkt noch mehr, wenn man die Auflösung kennt. 




PS: Anscheinend ist die Idee nicht neu, von daher gebüren die obigen Genialitäts-Credits nicht Guinness' Agentur BBDO, sondern Saatchi&Saatchi, die das Original kreiert haben.


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Zum Bergfest an diesem schnöden schönen Mittwoch einen Schlagzeuger-Witz, gefunden in den Newsticker-Meldungen des Postillion:

"Taktlos: Rockband spielt auf Beerdigung von Drummer"


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Schonmal was von Cronuts gehört? Dem "Kult-Gebäck aus New York"? Bestimmt, denn BILD hat sie für ihre Leser schon getestet, Blogger und Presse berichten darüber, Bäckereien bieten sie feil mit Hinweisschildchen "der Kult-Kringel" aus New York – weil dort der Pöbel anscheinend stundenlang vor Bäckereien ansteht, um einen zu erstehen. Leck mich am Arsch, jetzt hat die Menschheit nach der Bubble-Tea-Blase das nächste Hype-Lebensmittel. Ich meine, klar, dieses frittierte Blätterteig-Küchlein mit der Vanille-Creme-Füllung schmeckt schon fein. Am Donnerstag habe ich zum ersten Mal einen probiert, indem ich dem Kollegen ein Stückchen gemopst habe. Lecker, keine Frage. Und öfter mal was Neues ist auch gut. Mein einziges Problem ist: Was soll der Scheiß mit "Kult aus New York"? In anderer Form und unter anderem Namen haben das unsere Großmütter schon gebacken. Nennt mich konservativ, nennt mich engstirnig und schimpft mich Fortschrittsgegner, aber so ein künstliches ge-hype um unspektakuläre Dinge geht mir aufn Sack.


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Unnützes Wissen* zu Freitag dem 13.:

> Kein Wochentag fällt öfter auf einen 13., als der Freitag. 
> In spanischsprachigen Ländern sowie in Griechenland ist Dienstag der 13. ein Unglückstag. In Italien ist es Freitag der 17.
> Die 13 wurde früher auch "das Dutzend des Teufels" genannt
> Warum ausgerechnet die 13 und der Freitag, darüber gibt es verschiedene Theorien, die alle langweilig sind und deshalb hier nicht weiter ausgeführt werden.
> Die krankhafte Angst vor diesem Tag heißt "Paraskavedekatriaphobie".
> Ich kann dieses Wort auswendig. 

*Quelle: Wikipedia


Freitag, 6. September 2013

Wochenrückblick 31/08-06/09

Während die Einen noch dran forschen, tun es Andere einfach: Zeitreisen. Am Samstag war ich im Mittelalter, am Freitag in den 50er oder 60er Jahren (das ist Auslegungssache) und vor vier Wochen im Gothic-Zeitalter (irgendwo zwischen damals und bald). Das macht Spaß und ist echt erholsam für den Kopf – sich einfach mal spontan aus der Alltagsrealität verabschieden, verkleiden, in eine andere Welt eintauchen.  Klar, man kann jetzt argumentieren, das geht auch alles einfacher und kostengünstiger. Mit LSD oder Pilzen zum Beispiel. Aber Kinder, drugs are baaad, mkaay! 

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Am Sonntag habe ich im Grunde genommen gleich die nächste Zeitreise unternommen. In meine eigene Vergangenheit. Da am kommenden Wochenende eine Flohmarkt-Verkaufsaktion ansteht, wurden Wohnung und Dachboden einmal auf links gedreht und gnadenlos ausgeweidet. Also natürlich nicht vollkommen gnadenlos – meine Matchbox-Auto-Sammlung würde ich niemals abgeben, ebensowenig wie meine tausend Jahrgänge Musikexpress und Visions. Und den ganzen Dachbodenstaub, den gibt meine Lunge wahrscheinlich auch nie wieder ab. Egal, das war die Nostalgie-Orgie wert.

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Lernen durch Schmerzen soll ja ein funktionierendes Konzept sein, wenn auch aus heutiger Sicht pädagogisch nicht ganz korrekt. Doch wen schert Pädagogik, wenn die eigene Dummheit sich selbstständig macht. Ich weiß ja eigentlich, dass man mit Messern vorsichtig umgehen sollte. Beosnders mit Kochmessern. Man sollte einfach nie schneller hantieren, als man gucken kann. Das weiß ich. Eigentlich. Trotzdem habe ich es am Montag geschafft, beim Paprika-schneiden auch gleich ein Stück des linken Daumens wegzutun. Dazugelernt habe ich dadurch, dass theoretisches Wissen einen nicht davon abhält, in der Praxis dumme Fehler zu machen.

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Der Dienstag war einer jener Tage, an denen wirklich alles nervt und schiefgeht was nur kann. Ich will nicht drüber reden. Aber der Wahl-Werbespot der IG Metall ist lustig. Und gut.


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Nach zwei Tagen Daumenverband ist am Mittwoch festzustellen: Gitarrespielen geht noch - ein bisschen. Kann noch ein paar Griffe und das reicht zum Üben. Aber so eine halb geschrottete Hand kann einem schon einiges vermiesen: Kippen drehen, Schnürsenkel binden, Verpackungen öffnen, Duschen sind nur vier davon.

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Am Donnerstag habe ich von Wladimir Kaminer's neuem Buch gelesen und war auch zu einem Spontankauf bereit. Es ist bestimmt unterhaltsam, leichte Kost, hat putzige 256 Seiten und kostet nur 17,99. Moment... Euro, nicht dänische Kronen. Wieso kostet ein dünnes Belletristik-Werk 17,99? Und wieso ist Unterhaltungsliteratur generell eigentlich so sauteuer geworden? Ein Blick auf die Thalia-Bestsellerliste zeigt, dass jedes einzelne Buch um nen Zwanni herum kostet. Das war doch mal anders. (Ich rede nicht von DM-Zeiten!) Und wieso ist das jetzt so anders?

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Frage zum Freitag: Was haben die Leute eigentlich für ein Problem damit, dass Moritz Bleibtreu Werbung für McDonalds macht? Was ist denn jetzt an McDonalds sooo verwerflich? Ist halt ein typischer, geldgeiler Weltkonzern – einer unter tausenden. Tierquäler Wiesenhof schadet dem Image seiner Testimonials doch auch nicht. Und wieso regt sich bei Jürgen Vogel, Alexandra Maria Lara, Christian Ulmen und äh wie hieß dessen Alte gleich noch? Egal. Also warum regt sich bei denen keiner auf? Ich finde es sehr sympatisch, wie offen und unprätenziös Bleibtreu auf die Vorwürfe im Interview mit der Gala antwortet. Der Mann ist nicht nur ne coole Sau, er hat auch Rückgrat.
"Du musst auf D schalten." "Isch waaiiß!"
Bildquelle: filmstarts.de  ©Mr. Brown Entertainment

Freitag, 16. August 2013

Wochenrückblick 10/08–16/08

Samstag: Ville Valo, alias HIM, sollte nicht mehr auf Bühnen gelassen werden. Es ist eine Beleidigung fürs Publikum wie lustlos und arrogant der Penner seine Chart-Hits runterleiert.

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Sonntag: The 69 Eyes sind einfach eine geile Band. Die Jungs haben Spaß beim spielen. Mangels geeigneter M'era footage hier einfach das Musikvideo:


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Montag: Heimkommen. Wie immer war es wahnsinnig gut. Und aufs Neue wurde die Erkenntnis bestätigt: Lebt man wirklich jeden Tag, als sei es der letzte, dann ist es auch bald der letzte. Außer, man heißt Lemmy Kilmister. Oder Keith Richards. Oder Ozzy Osbourne.


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Dienstag und Mittwoch brachten die Erkenntnis, dass der Organismus eines durchschnittlich abgehärteten Mittdreißigers durchaus drei Tage für die Akkupflege benötigen kann.


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"Neuer Verspätungs-Rekord: Seit 2007 vermisster Zug fährt überraschend im Mainzer Hauptbahnhof ein"lautete am Donnerstag die Überschrift eines – mal wieder – extrem gelungenen Artikels des Postillion. Sie kennen den Postillion nicht? Aber mal schnell in die Favoritenliste speichern oder als RSS-Feed abonnieren! Heutzutage ist intelligenter Humor wirklich so selten, dass man sich dran festklammern sollte, wenn man mal welchen findet.


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Übers Wochenende kann man ja mal das Spätsommerwetter genießen und die freie Zeit nutzen, um ein bisschen über dies und das nachzudenken. Zum Beispiel:

Das IOC droht Olympioniken, die in irgendeiner Weise ihre Unterstützung für die Rechte von Homosexuellen bekunden, mit Konsequenzen. Nennt das aber nicht "sanktionieren", sondern "beschützen".

Ecuador wird im Amazonas-Schutzgebiet nach Öl bohren.

Voraussichtlich werden wieder nur maximal 70 % der Deutschen zur Bundestagswahl gehen. Der Rest beschwert sich scheinbar lieber am Stammtisch über die Scheiße mit der Scheiße. Klar macht wählengehen die Welt nicht plötzlich heile, aber wenigstens Protestwählen kann man ja. Stellen wir uns mal vor, die ganzen restlichen 30 % würden auf die Klein- und Kleinstparteien entfallen...

Freitag, 9. August 2013

Wochenrückblick 03/08-09/08

Über die Jahre hat sich in meiner Weltsicht eine leicht misanthropische Tendenz eingeschlichen und leider sehe, höre und lese ich andauernd Dinge, die diese Tendenz bestärken. Zum Glück geht auch anders: Am Samstag Morgen joggte ich unseren kleinen Fußweg entlang (ich hätte ja nicht gedacht dass es morgens schon so beschissen schwül ist), der parallel zum Doormansweg verläuft. Auf einer der Parkbänke, die alle 50 Meter stehen, lag schlafend ein älterer Obdachloser. Auf dem Boden neben der Bank lagen zwei leere Weinflaschen. Zu seinen Füßen auf der Bank lag Frühstück: Eine kleine Flasche O-Saft und eine Bäckertüte mit zwei Teilen. Muss irgendein unbekannter Spender für ihn gekauft und hinterlassen haben. Und das ist einfach nur schön. 

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"Kinder oder Tiere gehen immer" lautet eine Binsenweisheit der Werbebranche. Und Greenpeace machte am Sonntag bei ihrer Kein-Öl-in-der-Arktis-Aktion alles richtig: Anstatt Leute in der Fußgängerzone anzuquatschen dümpelten sie mit einem traurigen Eisbären an Bord auf der Außenalster herum, wo hunderte entspannte, gut gelaunte Menschen ohne Hektik vorbeischippern. Jedes einzelne Boot drehte bei, die Kanus standen Schlange, um für den Schutz der Antartkis zu unterschreiben. Auf der Liste der bedrohten Arten stand allerdings wohl auch die arme Person im flauschig-warmen Eisbärenkostüm.

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Dienstag: Post-Frust. Äh ich meine, Päckchen ist da! Und zwar mal wieder viel zu spät. Aber immerhin kam es an. Ist ja schonmal was. Allein vom letzten halben Jahr lautet die Bilanz: 1 Päckchen stark verspätet, ein anderes wurde aus unbekanntem Grund als nicht zustellbar an den Absender zurückgeschickt und eines ist bis heute verschollen. Für letzteres habe ich einen Nachforschungsauftrag erteilt und im Standard-Anschreiben, dass ich letzte Woche erhielt stand "Es tut uns leid, dass unsere Service-Qualität diesmal nicht Ihren hohen Erwartungen entsprach" und "Wir werden weiter daran arbeiten..bla...Leistung optimieren..bla"  Das ist einfach nur ein Worst-Practice-Case, liebe Pos!

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In Stefan Niggemeiers Blog gabs am Mittwoch eine lesenswerte Zusammenfassung dessen, was eigentlich nur ein von der Presse erfundener Skandal ist: Die Grünen und der Fleischverzicht. Mit der klassischen Presse ist es wie mit Nahrungsmitteln: Man kann versuchen, nur das Gute Zeug aus sauberen Quellen zu konsumieren, aber es ist fast unmöglich – irgendwie doch alle doof. Zum Glück gibts noch die neue, vielseitige Presse: das bloggende Volk.

Und außerdem: 3 Tage nach dem Ende des W:O:A 2013 ist Wacken 2014 schon wieder ausverkauft. Genauer gesagt binnen 48 Std. nach VVK-Start. Das nenn ich mal ne Fanbase.


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Dieser Freitag ist nicht irgendein Freitag, sondern der Auftakt zum Ausnahmezustand: Festivaaaal! Sonne am Himmel, Dreck an den Füßen, Pennen im Zelt, saufen beim Tage (und bei der Nacht), zu viel rauchen, Dosenravioliduft vom fauchenden Gaskocher, flegelhafte Gestalten, die laut die Stromgitarre spielen. Ja, es ist so wie du denkst, ich brauche nichts zu erklären.


Freitag, 2. August 2013

Wochenrückblick 27/07–04/08

Darf ich vorstellen: Leser, Wochenrückblick – Wochenrückblick, Leser. Jetzt kennt ihr euch. Der Wochenrückblick ist ab jetzt jeden Freitag Nachmittag hier zu Gast und lässt die vergangene Woche Revue passieren. An manchen Tagen habe ich schlicht und ergreifend nichts zu sagen, die fallen dann einfach aus. Ich habe ihm übrigens absichtlich keinen kreativen Namen gegeben, denn man kann auch einfach mal was nicht verklausulieren, mal nicht extra-cool sein wollen.

Okay, reicht. Hier also der Wochenrückblick:

Fast wäre ich am Samstag Teil eines Rekords geworden. Im badischen Rheinfelden an der Schweizer Grenze brachten 38,6 Grad °C vermutlich das eine oder andere Eiweißmolekül zum Degenieren. Ich hielt mich ca. 170 km Luftlinie zu weit nördlich auf. Auf der elterlichen Terasse in Baden-Baden waren es immerhin 37,irgendwas.

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Sonntagnacht habe ich im Taxi den am Samstag verstorbenen Blus/Rock'n'Roll-Musiker J. J. Cale kennen gelernt. Vorgestellt hat uns der nette Taxifahrer mit dem guten Musikgeschmack, der mich vom Bahnhof Altona nach Hause gefahren hat: Er hörte eine J. J. Cale-Tribute-Sendung auf Radio FSK, was dann auch unser Gesprächsaufhänger war. Seitdem höre ich jeden Tag der Woche Cale's Musik. (Simfy sei Dank!) Er war wohl in der Blues-Szene eine Ikone, jedoch keine Rampensau, weshalb seine Songs auch eher durch andere Interpreten berühmt wurden. So wie dieser, hier im Original, vom Original: Cocaine

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Am Mittwoch Morgen, kurz nach dem Ankleiden, fühlten sich meine Beine komisch an. Ich wollte das vermeintliche Krankheitssymptom schon googlen, da fiel mir auf: Ich habe ja eine lange Hose an! Total ungewohnt, so verhüllt zu sein. Aber es ist jetzt der zweite Tag in Folge, an dem frische Luft und punktuelle Schauer der Temperaturrekorjagd Einhalt gebieten. Super ist das vor allem, weil ich schon lange nicht mehr von den Klagegesängen schwitzender Mitmenschen genervt wurde. Aber das kommt wieder. Schließlich sind die Wetteraussichten fürs Wochenende herrlich!

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Am Donnerstag dachte ich, ich könnte ja auch mal ein Thema aus den Nachrichten aufgreifen oder was ähnlich Anspruchsvolles, und den Kolumnenheini spielen. Dann kam aber doch wieder was Besseres dazwischen: Musik! Genauer gesagt: Ska von Madness. Abgesehen vom Ohrwurm "Our House" kannte ich diese Band nur vom Namen her. (Und hätte noch nichtmal sagen können, dass dieser Song von denen ist.) Gut, dass Madness am Donnerstag Thema der special-round beim Pub Quiz war! "Our House" ist eher einer ihrer langweiligen Songs, denn ansonsten sind sie ziemlich Uptempo-/Ska-lastig, und eindeutig die stilistischen Urväter junger britscher Bands wie Kaiser Chiefs, Franz Ferdinand, Libertines oder Arctic Monkeys. Empfehlenswerte Anspieler sind auf jeden Fall: One Step Beyond, Night Boat To Cairo und Baggy Trousers.

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Der Freitag begann mit asozialen Verkehrsteilnehmern, ging weiter mit kranken Nachrichten (Berlusconi fühlt sich ungerecht behandelt) und wer weiß was auf dem Heimweg nachher noch passiert. Deshalb beenden wir die Woche rückblicktechnisch an dieser Stelle einfach mit guuder Musik und der großartigen Performance eines talentierten Stimmen-Imitators. Ich wünsche ein famoses Wochenende!
 


Montag, 11. März 2013

Vorschau

Ich kann diese scheiß Currywurst nicht mehr sehen. Deshalb poste ich schonmal einen Vorgeschmack auf meine Rubrik in spe "Fotografie". Ich weiß noch nicht genau, ob es auf eine eigene Seite, ein eigenes Blog oder doch nur auf einen losen Haufen Postings mit gemeinsamem Label hinausläuft. Das wird sich in den nächsten Wochen zeigen.

Mich faziniert Streetart, Gebäude und Landschaften. Deshalb knipse ich genau solche Motive besonders gern. Obwohl ich ein großer Fan von Unverfälschtem bin, lasse ich mich doch immer häufiger zu Nachbearbeitungs-Orgien hinreißen. Manchmal tuts einfach ein wenig beschneiden und ein bisschen mehr Kontrast, doch manchmal entfaltet ein Motiv erst durch Effekte sein ganzes Potenzial. So wie bei den beiden Beispielen unten.

Titel: "Under The Bridge". Ort: S-Bahn-Brücke Saarlandstraße.


Titel: "Don't Let Them Burst Your Bubble". Ort: Gebäudemauer in Bristol, UK.

Freitag, 8. März 2013

Alalalalalong: Hyperwurst zum Mittag.

Das sind nicht 20 Zentimeter – sondern an die 60. Und: die Gabel ist kein
Kinderbesteck.
Quantität traf Qualität und sie machten ein Kind: Auf der Speisekarte unseres Stamm-Mittagslokals "Laufauf" stand ganz bescheiden und unspektakulär "Riesencurrywurst mit Baguette oder hausgemachtem Kartoffelsalat € 5,90". Alle so yeah, lass mal Schlemmerfreitag machen. Und dann artete das zur Lumberjack-Weltmeisterschaft aus. Das Attribut "Riesen" tragen ja viele Currywürste, aber wenn das der Wahrheit entspricht, dann war mein Mittagessen eine Hyperwurst. Fehlte nur noch so ein gelbes LKW-Schild "Caution: long Wurstvehicle".

In Zeiten, in denen die Burger immer kleiner und teurer werden, die Sparzinsen sinken und die allgemeine Moral gleich mit, da ist das schon ein bemerkenswertes Highlight, wenn man mal mehr bekommt, als man erwartet. So viel mehr. Und es auch noch lecker ist.



PS: Moralisch hab ich die Portion locker geschafft, inklusive Brot. Faktisch hab ich die letzten 5 Zentimeter übrig gelassen, weil ich dachte, ich überstehe den Büronachmittag sonst nicht in wachem Zustand. Liegt aber erstaunlicherweise nicht schwer im Magen, das gute Stück.

Mittwoch, 6. März 2013

Dies ist Sparta – oder der Stoffmarkt

Irgendwie, irgendwo, irgendwann habe ich einmal folgende These gelesen: Hätten seit jeher Frauen die Machtpositionen dieser Welt inne gehabt, dann hätte es nie Kriege gegeben. Das klingt zwar nicht erst seit gestern nach Hirninfektion, aber am vergangenen Sonntag wurde meine Skepsis gegenüber dieser These zur absoluten Gewissheit, dass sie Bullshit ist. Ich würde sogar noch weiter gehen und behaupten, die nukleare Apokalypse hätte unsere Gattung längst hinweggerafft, wenn ein paar Frauen die roten Knöpfe in den Handtaschen hätten. Nicht, dass Männer unbedingt rationaler sind, aber wenigstens bekämpfen wir uns wegen wichtigeren Dingen, wie Ländereien, Geld und, nunja, Frauen. Letztere hingegen laden schon durch, sobald es irgendwo den laufenden Meter Stoff für 6 Euro gibt. So wie auf dem Stoffmarkt auf dem Alsterdorfer Marktplatz. 

Ein Stoffmarkt ist exakt wie ein Wochenmarkt, nur mit dem feinen Unterschied, dass man die feilgebotene Ware nicht essen kann. Allerdings benimmt sich die weibliche Kundschaft, als wäre all der Stoff Nahrung – und zwar die letzte, die es auf unserem Planeten je geben wird. Noch nie habe ich auf einer Marktveranstaltung eine so unentspannte und teilweise ins Aggressive driftende Atmosphäre erlebt. Zum Glück musste ich mich in meiner Funktion als Begleiter und Lastentier wenigstens nicht zwischen die aufgebrachten Hennen drängen, um an die Tische zu gelangen. Doch schon das schiere Herumstehen war nichts für Risikoscheue. Es schien vielen nahezu unmöglich, an mir vorbeizuflattern, ohne mich zu streifen oder mir auf den Fuß zu treten. Mehrfach war ich versucht, mich bei der ein oder anderen Dame für meine Existenz zu entschuldigen. Ich kam mir ungefähr so deplaziert vor wie eine Cinderella im Film "300".

Stoffmarktbesucherin, hier gespielt von Gerard Butler im Film "300".
Untereinander waren sie kein bisschen besser. Vom Flohmarkt kenne ich das so: Wenn ein Tisch oder eine Plattenkiste mit Interessenten besetzt ist, dann warten andere – meistens zumindest – bis eine Lücke frei wird, um die Ware zu begutachten. Auf dem Stoffmarkt hingegen walzt die gewiefte Schnäppchenjägerin auf den Stand zu, nimmt auf ihrem Weg anfallende Kollateralschäden in Kauf, schiebt dann erst einen Arm durch die geschlossene Reihe anderer Käuferinnen, hält sich am nächstbesten Stoffballen fest und zieht dann den restlichen Körper nach. Als stiller Beobachter muss man die ganze Zeit befürchten, dass eines der immer dichter werdenden Frauenknäuel plötzlich so dicht wird, dass es sich in seinem Kern entzündet und in einer galaktischen Explosion eine neue Sonne entsteht. Bestenfalls entsteht nur ein Prügelei. Aber nichts dergleichen geschah.

Nach circa einer Stunde beschloss meine Liebste, dass sie genug hat von diesem Geschubse und Gerangel. Und mir ist nicht entgangen, dass noch andere Frauen das Unbehagen plagte. Offen bleibt nur die Frage: Was stimmt mit dem Weibsvolk nicht? Wo bleibt die Rücksichtnahme? Und wo die Besonnenheit und Weisheit, die der weiblichen Natur so gern attestiert wird? Ist mir auch egal. Der nächste Stoffmarkt ist erst im September oder so. Und da bin ich dann in Takatukaland. Oder so.